

Die Familie
Vor sehr sehr langer Zeit gab es einen einzigen und einsamen roten Drachen namens Charkalamar. Eines Tages beschloß er auszuziehen und sich auf die Suche nach anderen roten Drachen zu machen. Da er es nicht glauben konnte, daß er der einzige seiner Art zu sein scheint.
Er streifte durch Berge und Täler, blickte in jede Höhle und hinter jeden Baum auf der Suche nach einem Red Dragon. Nach einigen Monaten der Suche begab es sich, daß ihm aus heiterem Himmel plötzlich etwas auf den Kopf viel. Die daraus resultierende Beule am Hinterkopf war wochenlang zu sehen. Mal ganz abgesehen davon, daß die umliegenden Bäume nicht mehr auf ihren Wurzeln standen.
Aber was war das eigentlich, das Charkalamar zu so einer Reaktion veranlassten. Das war genaugenommen nicht nur etwas, sondern Tichlinkojia, die mal wieder ihren Putzwahn bekommen hatte und so guter Laune war, daß ihr der Stubenbesen aus der Hand flog und flugs an den Kopf von Charkalamar. Sie dachte sich nichts weiter dabei und wollte den Besen später holen, wenn sie mit der restlichen Hausarbeit fertig ist. Tichlinkojia sang fröhlich vor sich hin und wedelte mit ihrem Lappen durch ihre Höhle, bis sie bemerkte, daß da jemand am Eingang ihres zuhauses stand. Sie drehte sie um und da stand er: ein Drache, ein wahrhaftiger Drache. Ihr stockte der Atem und Tichlinkojia begann ihn von oben bis unten zu mustern. Auch Charkalamar wusste nicht, was er sagen oder tun sollte und so grüßte er Tichlinkojia nur mit ein paar wenigen schlichten Worten, zu groß war seine Freude jemanden wie sich gefunden zu haben.
In den nächsten Tagen verbrachten die beiden jede Sekunde zusammen, bis Charkalamar auf den Gedanken kam daß es durchaus auch noch mehr Red Dragon geben musste, denn wo eine liebliche Gestalt ist, müssten auch noch mehr sein und somit begab er sich weiter auch die Suche.
Tichlinkojia wunderte sich zwar, daß dieser Drache so plötzlich wieder aufbrechen wollte, aber dachte so bei sich: was sollst, der nächste Besuch kommt bestimmt bald. Denn sie hatte Charkalamar etwas vorraus, sie wusste daß es noch mehr Red Dragon gibt. Gleich bei ihr um die Ecke, nur fünf Berge und 19 Bäume weiter. In der Nähe der menschlichen Siedlung.
Wie man bereits jetzt merkt, gibt es in diesem Tal eine ganze Menge an Höhlen und Verstecke für Drachen, aber aus irgendeinem Grund ist trotzdem nicht sehr viel über dieses Tal bekannt geworden. Obwohl es kaum zu übersehen war, daß ein Drache in der Nähe des Dorfes wohnte. Sie war bei den Einwohnern sehr beliebt und gleichzeitig gefürchtet. Denn wo sie auftauchte wurde es bestimmt nicht langweilig. Man könnte sogar behaupten, sie ist der Grund für einige heutige Institutionen und Firmen, wie Feuerwehren, Baufirmen und Architekten. Ihr Name ist Naschvadana, eine Schwester von Tichlinkojia. Sie ist zwar eine Seele von einem Drachen, aber wenn sie auftaucht sollte man erst einmal etwas in Deckung gehen um nicht versehentlich einen Flügelschlag oder einen Teil des Kirchturmes abzubekommen. Ihr machte es große Freude zu den Menschen zu gehen um ihnen zu helfen wo sie kann. Was aber für die Menschen in diesem Dorf meistens bedeutete hinterher mehr Arbeit zu haben als vorher. Naschvadana ist manchmal etwas ... naja ... ungeschickt. Woran sie wohl teilweise selber Schuld hat, denn mit den Flugstunden als Kind nahm sie es nicht so sehr genau und auch wurde sie bereits als kleiner Tollpatsch geboren.
Sie lebte in ihrer Höhle zusammen mit Vauchraverna, ihrem Mann. Ein geschäftiger aber liebevolle Drache. Er war den ganzen Tag beschäftigt, wenn auch niemand wusste womit, und auch viel unterwegs aber er liebte seine Familie und die Dorfbewohner über alles. Vauchraverna half jedem und trat dabei von einem Fettnäpfchen ins andere. Sollten ein paar Bäume aus dem Wald entfernt werden, gab es keinen Wald mehr, musste der Bach umgeleitet werden, war es plötzlich ein Fluß und brauchte man etwas Feuer, war es gleich ein Flächenbrand. Kurz gesagt Naschvadana und Vauchraverna passten sehr gut zueinander, was die Dorfbewohner nicht immer unbedingt freute.
Bei diesen beiden Red Dragon blieb es natürlich nicht aus, daß sie auch Kinder hatten. Der jüngste Spross in der Drachenhöhle am Dorfrand hinter der großen Wiese ist Mirchanda. Sie ist vermutlich das anstrengendste geschlüpfte Ei das die damalige Welt jemals gesehen hat. Nichts ist ihr heilig und sie folgt aufs Wort, nur nicht auf das ihrer Eltern. Sie spielt mit allem und jedem, allerdings vergisst sie dabei immer ihren Unterricht und da wundert es nicht wirklich, daß sie lieber zu Fuß durch das Tal der Red Dragon wandert als zu fliegen. Auch verwundert es nicht, daß immer jemand auf der Suche nach ihr ist, denn ihre Kinderstube ist das Tal und ihr Bett ein kuscheliges Grasbüschel hinter einem Felsen am Bach.
Eine weitere Tochter von Naschvadana und Vauchraverna ist Grimavaldera, der ganze Stolz von ihrem Vater Vauchraverna. Sie ist ein wirklich gut gelungener Drache und sehr niedlich, was inzwischen auch schon von der männlichen Jungdrachenwelt bemerkt wurde. Ihre Eltern sind ständig damit beschäftigt, Grimavalderas hungrigen Freunde wieder aus dem Haus zu bekommen, damit in der Drachenhöhle wieder etwas Ruhe einkehren kann. Allerdings ist Grimavaldera damit nicht immer glücklich und sie stellt immer wieder Kleinigkeiten zuhause und in der Schule an, um ihre Eltern gehörig zu ärgern. Da verschwindet schon mal eine Schuppenbürste oder die Drachenhautcreme. Es ist als Vater auch nicht immer schön, am Morgen mit lackierten Krallen aus der Höhle gehen zu müssen.
Und dann gab es da auch noch Amiflogae. Die dritte Tochter von Naschvadana und Vauchraverna. Es gibt wohl nichts, an dem Amiflogae nichts auszusetzen hat. Muß wohl an ihrem Alter liegen. Teendrachen haben manchmal so Phasen wo sie mit nichts zufrieden sind. Eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen ist Mirchanda das Spielzeug zu verstecken oder sie an den Schuppen zu ziehen. Auch macht sie die Jungdrachen, die Grimavaldera verehren, immer wieder gerne mal von der Seite an. Sogar wenn sie durch das Dorf streift ist niemand vor ihren bissigen Kommentaren sicher. Aber ansonsten ist sie ein ganz normaler Drache.
Es gab noch eine weitere Schwester von Naschvadana und Tichlinkojia, nämlich Suikilivosa, ein sehr liebenswerter Drache, der keiner noch so großen Fliege etwas zu Leide tun konnte. Am liebsten sitzt sie am Dorfrand mitten in der großen Blumenwiese und sieht den kleinen Bienen und Schmetterlingen zu wie sie geschäftig umherfliegen. Man trifft Suikilivosa meistens mit einer Blumenkette um den Hals an oder wenigstens mit einer großen Blume hinter dem rechten Drachenohr. Auch kann man sie jederzeit um einen Gefallen bitten und sie ist sofort zur Stelle, wenn auch nicht immer mit dem Kopf voll dabei, denn wenn sie etwas interessantes und schönes sieht, möchte sie dies erst einmal geniesen. Man sollte sich daher nicht wundern, wenn sie dann keine Zeit mehr für irgendetwas hat und nur wieder an sich denkt. Da kommt schon mal ein etwas zickiger Kommentar und man sollte aufpassen, daß sie einen bei einer kleinen Umdrehung nicht am Kopf mit ihrem Schwanz trifft.
Natürlich kann es nicht ausbleiben, daß wo Drachen sind, es auch Fliegen gibt. Diese auf Drachen versessenen Fliegen nennt man Dragonflys. Die erste amtlich gemeldete Fliege im Drachental war Vlivas, ein recht summlustiger Geselle. Man könnte sogar soweit gehen, zu sagen, wo Scheiße gebaut wird ist er sofort zur Stelle. Vlivas ist aber nicht nur immer zur Stelle, sondern glänzt auch gerne mit Abwesenheit. Immer wenn man dringende Sachen zu erledigen hätte und ihn braucht, kann man beim rufen heiser werden. Andauernd ist er unterwegs uns saust durch das Drachental. Er geniesst es an Wänden und Decken herumzuhängen und den neuesten Gerüchten zu lauschen, die überall verbreitet werden. Ebenso muß er immer an allem nippen und naschen, was so in der Gegend herumsteht. Was nicht selten dazu führt, daß sein Flugstil nach Hause öfters interessante Manöver aufweist.
Seine ihm angetraute Frau ist Klompatee, eine Gazelle unter den Dragonflys. Am liebsten stolziert sie über die schönsten Wiesen und Blumen. Sie lässt sich auch gerne mal von den Red Dragon mitnehmen um etwas mehr vom Drachental zu sehen und ein wenig Höhenluft zu schnuppern. Denn sie hatte gehört, daß Höhenluft gut für den Teint sein soll. Ansonsten macht sie gerne Flügelmaniküre und pflegt ihre Beine. Ein ganz besonderes Markenzeichen von Klompatee ist, daß sie zur Begrüßung immer ganze fünf Küsse auf jede Wange gibt. Was manchmal bei einem Drachengesicht schon eine Weile dauern kann, denn die Wangen bei einem so großen Drachen wie Charkalamar liegen nunmal für eine Fliege sehr weit auseinander. Sicherlich sind Dragonflys um einiges größer als normale Stubenfliegen wie Menschen sie kennen, aber dennoch sind sie für so etwas doch recht klein.
Wir wollten es zuerst gar nicht glauben, was da auf unserer Insel geschehen war, aber es ist tatsächlich wahr. Als Charkalamar letztens in eine völlig unbekannte Ecke unserer Insel kam, traute er seinen Augen nicht. Weit weg von unserem Tal, hinter vielen Bergen und Schluchten lebt noch eine Drachenfamilie, die vollkommen anderst ist als wir. Charkalamar fand: die Sugrus. Ansich ist dies ja nichts schlimmes, aber diese Drachen sind grüüüün. Zunächst dachte Charkalamar, daß er Probleme mit den Augen hätte oder zu lange schon kein Feuer mehr gespien hätte, aber nach ein paar Stunden hatten sich die Sugrufamilie und Charkalamar angefreundet und er lud sie in unser Tal ein, um den Rest unserer Familie kennenzulernen. So sollte es geschehen, daß nach einigen Wochen besuch in unser Tal kam.
Wir staunten nicht schlecht, als Grugruma, Suterama und Gruvalgor über die Berge kamen. Die Kunde über diese grüne Familie sprach sich sehr schnell herum und so liefen oder flogen alle Talbewohner den Neuankömmlingen entgegen.
Du siehst Fremder, es ist hier im Tal eine ganz normale Welt in der es sich gut leben lässt und wo Mensch und Drache friedlich neben einander existieren und sich helfen.
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