Joshua zum Anger
Chronyst und Herold in freyen Diensten
Einmal Mittelalter und zurück
In der Freizeit passieren Zeitsprünge, sich 750 Jahre zurück beamen. Kochen, Nähen, Leben wie im Mittelalter. Eine Handvoll Menschen aus dem 21. Jahrhundert, lebt mit krassen Gegensätzen.
Was tue ich hier eigentlich?“, frägt sich so mancher der dem Hobby Reenactment nachgeht, wenn er in der modernen Welt wieder zurück ist.
Unser Bild vom Mittelalter ist meist geprägt durch Film und Fernsehen. Viele wissen von dieser Epoche nur, daß es eine Zeit der Ritter und Burgen war, eine Zeit, die uns heute brutal und voller Aberglauben erscheint. Heutzutage steht das Thema Mittelalter mehr denn je in der Gunst des "Volkes" mit Steigender Tendenz. Nur was war damals wirklich und stimmen die Vorurteile der frühneuzeitlichen Humanisten wirklich, die den negativen Begriff Mittelalter prägten und diese Zeit als "finster" und barbarisch abwerteten ... oder war sie so glorreich wie es oft in Filmen argestellt wird?
Mit dieser Seite soll ein Überblick dieser Zeitepoche geschaffen werden. Durch das grosse Spektrum erhebt diese Seite keinesfalls Anspruch auf Vollständigkeit und uneingeschränkte Korrektheit. Die Geschichtswissenschaft macht ständig neue Entdeckungen und es enstehen stetig neue Standpunkte und Aspekte, diese können selbstverständlich nur in Masen hier mit einfliessen. Ebenso wird es seine Zeit dauern bis die gröbsten Züge dieser Zeit hier zusammengetragen sind. Hier nehme ich gerne Eure Hilfe an, wenn ihr helfen wollt diese Wissenssammlung zu vervollständigen.
Es sind zwar viele Details aus dem adeligen bzw. geistlichen Leben erhalten geblieben, aber das "gemeine" Volk, welches 95 Prozent der Bevölkerung ausgemacht hat, ist in vielen Quellen leider immer wieder nur am Rande erwähnt.
Als kleyner Vorgeschmack, auf das, was Euch hier erwartet, seyen eyn paar Zeylen von Umberto Eco aus seynem Werk "Der Name der Rose" zitiert:
" ... Er vagabundierte herum, bettelnd, stehlend, Krankheiten vortäuschend, gelegentlich Dienste für weltliche Herren verrichtend, dann weiterziehend von Stadt zu Stadt, durch die Wälder und über die großen Straßen. Aus seiner Erzählung entnahm ich, daß er sich offenbar mit jenen Landstreicherbanden zusammengetan hatte, die ich im Laufe dieses Jahrhunderts immer häufiger durch Europa ziehen sah: Vaganten, Scharlatane und falsche Mönche, Schwindler, Betrüger, Bettler und Strolche, Aussätzige und Verkrüppelte, kriegsversehrte Landsknechte, Komödianten, Bänkelsänger und Bauchredner, Falschspieler, Zauberkünstler und Negromanten, fahrende Studenten, entsprungene Konventszöglinge, expatriierte Kleriker, schweifende Juden, den Ungläubigen entkommen mit verwirrtem Geist, Schwachsinnige, Verrückte, Narren, Verbannte, vogelfreie Gesellen, Sträflinge mit abgeschnittenen Ohren, Zigeuner und Sodomiten; dazwischen wandernde Handwerksburschen, Weber und Wollschläger, Kesselflicker und Kleinschmiede, Stuhlmacher, Korbflechter, Riemenschneider, Scherenschleifer; das Ganze durchsetzt mit Gaunern und Spitzbuben, Schuften und Schurken, Halunken und Taugenichtsen aller Arten und Sparten: Dieben, Schiebern, Fälschern, Hehlern, Blendern, Lügnern, Zechprellern, Gauklern, Wundertätern und simonistischen Priestern, Menschen, die von der Leichtgläubigkeit anderer lebten als Ablaßhändler, Imitatoren päpstlicher Bullen und Siegel, falsche Gelähmte, die sich vor die Tore der Kirchen postierten, Reliquienverkäufer, Wahrsager und Chiromanten, Quacksalber, Kurpfuscher, Handaufleger, falsche Bettler und schamlose Sittenverderber aller Art, Zuhälter, Huren und Kupplerinnen, Verführer von Mönchen und jungen Mädchen mit List oder mit Gewalt, Simulanten, die allerlei Krankheiten vortäuschten, Wassersucht, Fallsucht, Hämorrhoiden, Gicht und Zipperlein, Schwären und offene Wunden oder auch melancholische Geistesumnachtung. Manche legten sich Pflaster und Binden auf, um unheilbare Geschwüre zu heucheln, andere nahmen eine schwarzrote Flüssigkeit in den Mund, um Blutstürze zu simulieren, oder sie täuschten gebrochene Gliedmaßen vor, indem sie an Stöcken gingen ohne Notwendigkeit, oder sie imitierten Kröpfe und eitrige Beulen mit Hilfe von safrangetränkten Tüchern um Kopf und Hals, wieder andere trugen Ketten an ihren Händen, schlichen sich stinkend in die Kirchen ein und warfen sich auf den Boden, geifernd, Schaum vor dem Mund, die Augen verdreht, Blut aus den Nasenlöchern verströmend, das in Wahrheit aus Maulbeersaft und Zinnober gefertigt war ... "
Ein kleiner Artikel des Goethe-Institutes gibt hier auch einen Einblick in das "moderne" Mittelalter >klick mich<
Euer Joshua zum Anger