Joshua zum Anger
Chronyst und Herold in freyen Diensten
Hexen, Zauberer
häxen (deutsch, 15 Jh.)
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Begriffsdeutung: Der Begriff Hexe stammt von dem althochdeutschen Wort "hagezussa" ab. Dies bedeutet zum Ersten ein sich auf Zäunen, insbesondere auf Grenzzäunen zum Teufel, aufhaltendes dämonisches Wesen und zum zweiten kann der Begriff als eine Wortzusammensetzung aus"hag", entspricht Rodung, Feld, Flur und "zissa", entspricht die Schädigende, verstanden werden. Die Bezeichnung für die verschiedenen Zauberkünste einer Hexe sind aus vielen unterschiedlichen Sprachen hergeleitet. So erklärt sich der sexuelle Umgang mit dem Teufel aus den Bedeutungen der Zahl Sechs. Diese Zahl gilt als die Zahl der geschlechtlichen Vereinigung, hergeleitet aus dem lateinischen "sex", entspricht Geschlecht und dem ägyptischen Wort "sexen", entspricht umarmen, begatten. Zurückgeführt auf den Begriff Hexe wurde dies durch die griechische Bedeutung für die Zahl 6 nämlich "hex". Der Zusatz an geheimem Wissen, über das Hexen verfügt haben sollen, läßt sich von dem englischen Wort für Hexe, also "witch" ableiten. Dieses stammt vom angelsächsischen "wicce" ab, was wiederum wissen, sehen und wahrsagen bedeutet. Auch die bekannten Nachtflüge einer Hexe lassen sich sprachwissenschaftlich hinterlegen. Das lateinische Wort "strix" bedeutet nämlich nicht nur Hexe sondern gleichermaßen auch Eule. Eine Eule wurde wiederum im Mittelalter auch als Nachthexe bezeichnet, also als fliegende Hexe.
Aussehen: Im Mittelalter herrschte grundsätzlich die Überzeugung, daß die äußere Erscheinung den inneren Charakter widerspiegelt und umgekehrt. Das heißt ein mickriger kleiner Kerl mußte von vornherein einen schlechten und ein großer starker Ritter einen guten Charakter haben. Ähnlich verhielt es sich also bei den Hexen. Somit waren es dann vor allem ungewöhnlich häßliche Frauen mit zerfurchtem Gesicht, einem Buckel und Warzen oder ähnlichem, hinter denen man dämonische Kräfte und Teufelsverbündete sah. Nichtsdestotrotz wurden auch besonders hübsche Frauen als Hexen angeklagt, wenn sie zum Beispiel eine andere Meinung hatten oder außergewöhnlich selbstbewußt auftraten. Man glaubte, diese hätten nicht nur magische Kräfte, sondern auch ihre verführerische Schönheit vom Teufel erhalten, um diesen begierig, lüstern und zur Teufelsbuhlschaft bereit machen zu können.
Eigenschaften: Über dieses Kapitel könnte man seitenlang schreiben, wobei man es doch grundsätzlich erst einmal in zwei Bereiche gliedern sollte. Erstens die Eigenschaften der Personen, die als Hexe angeklagt wurden, und zweitens die Eigenschaften, die der angeklagten Hexe selbst nachgesagt wurden. Erstere waren bevorzugt sehr kräuterkundige Personen, denen Rezepte für bestimmte Tees und pflanzliche Salben bekannt waren. Da diese Personen außerdem auch oft revolutionäre Ideen hatten und sich trauten Mißstände in der Gesellschaft anzuklagen, waren sie nicht nur mutig, aufbegehrend und zielstrebig, sondern vor allem sehr intelligent und selbstbewußt. Die Eigenschaften einer Hexe im Volksglauben basierten dagegen auf der christlichen Glaubensvorstellung, daß der Teufel uns seine Untergebenen, wie z.B. Dämonen, Inkuben und Sukkuben, wirklich existieren. Diese verfügten über Macht in der Welt und standen in physischer Beziehung zu Menschen, mit denen sie Verträge schlossen. Somit hielt man auch Hexen im europäischen Mittelalter für zauberkundige Dienerinnen des Teufels, die nach vertraglichen Vereinbarungen bestimmte Fähigkeiten und magische Kräfte erhielten, um Schadenszauber gegen andere Menschen durchführen zu können. Die Hexen hatten dann also angeblich vor allem die Macht, Krankheiten zu verursachten, zu heilen oder sie von einer Person auf eine andere zu übertragen. Außerdem sollten die Hexen Unwetter hervorrufen, Männer impotent und Frauen unfruchtbar werden lassen und Mißernten sowie Unfruchtbarkeit bei Tieren heraufbeschwören können. Man hielt sie für fähig, Liebe mit Hilfe spezieller Tränke wachzurufen, aber auch mit Amuletten und Zaubersprüchen zu zerstören. Sie konnten einer Person Schaden zufügen oder sogar ihren Tod bewirken, wenn sie den sogenannten bösen Blick einsetzten oder Nadeln in ein Wachsmodell des Opfers stachen. Ferner glaubte man, sie könnten sich unsichtbar machen und würden auf Besen fliegen. Ihnen wurde auch nachgesagt, daß sie die Zukunft vorhersagen, unbelebte Gegenstände beleben, die Toten wiederbeleben, Geister beschwören und sich und andere in Tiere verwandeln können, insbesondere in Katzen und Wölfe. Als Gegenleistung in diesem Teufelspakt, mußten die Hexen angeblich immer zu dem sogenannten Hexensabbat erscheinen und außerdem würde der Teufel regelmäßig Buhlschaft verlangen.
Magie spielte im Mittelalter in zahlreichen Lebensbereichen eine Rolle:
Krankheiten:
Die meisten Krankheiten waren für die Menschen im Mittelalter nicht naturwissenschaftlich zu erklären und eine nicht unwesentliche Belastung für den Kranken selbst. Den Krankheiten begegnete man zumeist mit Hausmitteln und magischen Künsten. Oft wurden Krankheiten auch auf das Wirken böser oder dämonischer Einflüsse, wie Dämonen oder Hexen, zurückgeführt und entsprechende Versuche der Heilung unternommen.
Liebe:Die Zuneigung zu anderen Menschen und die Ablehnung der selben bildeten einen weiteren Ausgangspunkt für magische Praktiken.
Reichtum und Macht:Nur zu gerne schrieb man es magischem Treiben zu, wenn in der mittelalterlichen Gesellschaft Personen plötzlich und überraschend zu Besitz und Geld kamen, sowie andere im Gegenzug dessen Verlust hinnehmen mussten.
Ganz allgemein gesagt war "Magie" also eine psychische Reaktion der Menschen auf Erfahrungen und Dinge des täglichen Lebens, die unerklärlich oder "unglaublich" schienen. Ebenso zahlreich wie die Lebensbereiche, in den man im Mittelalter mit Magie in Berührung kam, waren die Praktiken der Magie. Sicherlich ist es nicht möglich hier eine vollständige und detaillierte Aufstellung zur Verfügung zu stellen, dafür gibt es einschlägige Pergamente im magischen Draht, aber es soll hier dennoch eine kleine Übersicht der wichtigsten bzw. interessantesten Praktiken stehen:
Magie mit Lebensmittel:
In erster Linie bediente sich die Heilkunst dieser Methode, denn es wurden Tränke aus heilsamen Kräutern gebraut. Dies alleine hat ja noch nichts magisches an sich, was sich allerdings durch die "Zugabe" von Sprüchen, der Einhaltung gewisser Rituale, wie bestimmte Pflückzeiten oder Pflückarten, und so weiter schnell änderte. Sicherlich gab es auch eine dunkle Seite der magischen Tränke. So wurde beispielsweise eine Person der Hexerei verdächtigt, wenn jemand von ihr einen Trank empfangen hatte und darauf unerwartete und ungewöhnliche Schmerzen bekam.
Wortmagie:
Die Wortmagie war und ist auch heute noch wohl die am weitesten verbreitetste Form der Magie. Dies bedeutet allein durch Worte, Formeln, Verse oder Reime etwas bewirken zu können. Beispielsweise bedeutete die Kenntnis und Nennung des Namens einer Person die "Gewalt" über diesen Menschen. So konnte man durch die blose Nennenung des Namens Segen spenden oder Schaden verursachen. In vielen Fällen wurde Drohungen, Flüchen oder Verwünschungen magische Wirkung zugeschrieben. Daneben gab es aber auch eine "legale" Art der Wortmagie. Einerseits die Gebete, welches ja Bitten sind, die im Rahmen des offiziellen Christentums an Gott, Maria oder andere Heilige gerichtet wurden, andererseits Segenssprüche, die als Wünsche fungierten und direkt an Kranke gerichtet waren. Dies weist auch auf den engen Zusammenhang zwischen der Volksmagie und der christlichen Kirche hin.
Magie mit Gegenständen:
Im alltäglichen Leben spielte der Zauber mit Gegenständen eine weitere wichtige Rolle. So konnten diese Gegenstände beschützen und Glück bringen. Verwendete man Amulette und Glücksbringer bzw Talismane, wollte man damit positive Effekte erzielen: Angeblich schützen unter ein Altartuch gelegte Alraunen, nachdem 9 Messen darüber gelesen wurden, vor Verurteilungen vor Gericht. Andererseits konnten magische Gegenstände auch Schaden stiften: Eine halbvergoldete Nuss unter dem Kopf im Ehebett beschwor Zwist und Unfrieden herauf. Eine tote Spinne, die mit Faden und Menschenhaar umwickelt war, im Bett führte zu Impotenz und Schlaflosigkeit.
Wahrsagerei:
Praktiken, die dazu dienten etwas über die Zukunft herauszufinden waren sowohl bei den Gelehrten als auch in der Volksmagie weit verbreitet. Im Gegensatz zu anderen magischen Praktiken wird bei der Wahrsagerei nicht versucht Einfluß zu nehmen, sondern lediglich die Vorbestimmung herauszufinden. Die Methoden waren äußerst vielfältig. Von der Traumdeutung über die Interpretation von Naturphänomenen, Handlesen bis hin zur Astrologie. Außerdem schrieb man allen möglichen Ereignissen eine "Bedeutung" zu. Beispielsweise fasste man das Finden eines Hufeisens als gutes Omen auf, während die Begegnug mit einem Raben eher ein böses Zeichen war. Doch oftmals waren Wahrsager selbst nur Betrüger, die mit mehr oder weniger offentsichtlichen Tricks arbeiteten und auch immer wieder dieses Deliktes überführt wurden.
Liebeszauber:
Liebeszauber klingt für uns heute im ersten Moment wenig Schaden bringend, doch sah man früher dabei keinen Unterschied zu anderen Schadenszaubern, da es auf jeden Fall auch beim Liebeszauber darum ging jemanden zu beeinflussen oder zu manipulieren. Entweder versuchte man die Liebe und Zuneigung eines Menschen zu gewinnen, oder aber die Vereinigung zweier Menschen zu verhindern. Besonders auffällig dabei ist, dass es fast nur Frauen waren, die Liebeszauber anwandten. Dies hängt wohl mit der sozialen Situation der Frau damals zusammen. Eine soziale Besserstellung oder Absicherung war nur durch eine Ehe gewährleistet. Deshalb kam es zu harter Konkurrenz der Frauen um die Männer und der Anwendung aller zur Verfügung stehenden, magischen, Mitteln um diese zu ehelichen oder zumindest für eine Beziehung für sich zu gewinnen.
Besonders häufig kam der Zauber mit Gegenständen des bzw. der Geliebten vor. Besonders Haare, Nägel, Schweiß, Blut und anderes, das mit dem Körper in Verbindung steht, wird verwendet um die Liebe zu erzwingen. Auch geistliche blieben von Liebeszauberei nicht verschont.
Wetterzauber:
Unwetter führten immer wieder zu wirtschaftlichen Problemen. Da die Bevölkerung glaubte, dass diese schlechte Witterung durch Zauberei herbeigeführt werden konnte, liegt es nahe, dass man immer wieder "Hexen" und "Zauberer" dafür verantwortlich machte. Schon kleine Äusserungen konnten falsch verstanden und mißinterpretiert werden.