Joshua zum Anger
Chronyst und Herold in freyen Diensten
Geld / Währungen
Als der Pfennig noch aus Silber war ...
... konnte man für ihn eine ganze Menge einkaufen. Zur Zeit Karls des Grossen erhielt man für einen Pfennig zwei Hühner; ein Frauenkleid aus Leinen gab es bereits für acht Pfennige. Erst 500 Jahre später war es vorbei mit der grossen Zeit der kleinen Münze.
Geld spielte im Alltag der meisten Untertanen Karls des Grossen kaum eine Rolle. So mancher Bauer im Frankenreich hat womöglich in seinem ganzen Leben niemals eine Münze besessen. Er war froh, wenn die Ernte ausreichte, um sich und seine Familie zu ernähren. Kleidung und andere Gebrauchsgegenstände wurden meist nicht gekauft, sondern selbst hergestellt. Dennoch waren die Menschen keine reinen Selbstversorger. Messer, Werkzeuge für die Feldarbeit und Hufeisen fertigte beispielsweise der Schmied. Er erhielt in der Regel Naturalien für seine Dienste, wie überhaupt der tägliche Handel meist durch direkten Tausch abgewickelt wurde. Es gab natürlich Münzen, doch der Silberpfennig oder Denar, der als einzige Münzsorte in Frankenreich geprägt wurde, war recht wertvoll und deshalb für kleinere Geschäfte ungeeignet. Um das Jahr 900 konnte man für einen Pfennig zum Beispiel zwei Hühner kaufen oder ein Pfund Wachs. Ein Schwein kostete je nach Grösse zwischen vier und zwölf Pfennigen, ein Frauenkleid aus Leinen acht Pfennige. In Münzen wurde zwar nur selten bezahlt, doch das Geld diente als Wertmassstab und Recheneinheit.
Die Grundlage des mittelalterlichen Münzwesens bildete die von Karl dem Grossen auf der Frankfurter Synode von 794 verkündete Münzreform. Goldmünzen schaffte Karl der Grosse ab, fast 500 Jahre lang wurden danach im Abendland keine mehr geprägt. Reines, unlegiertes Silber war als einziges Metall für Münzen zugelassen. Fortan wurden aus einem Pfund Silber (es wog 408 Gramm) 240 Pfennige geprägt. Als Recheneinheit existierte der Schilling, lateinisch "solidus", der jedoch nicht als Münze geprägt wurde. Der Schilling war ein Sammelbegriff für zwölf Pfennige oder ein gedachtes Zwanzigstel des Pfundes Silber. Die Zählweise 1 Pfund = 20 Schillinge = 240 Pfennige blieb fast das gesamte Mittelalter, mancherorts sogar länger bestehen. Am längsten in England, wo sie erst 1971 durch das Dezimalsystem ersetzt wurde.
Beliebt war die Münze während des gesamten Mittelalters als Sparform. Denn Münzen konnte man als sogenanntes "Hortgeld" relativ sicher und krisenfest aufbewahren. Banken und Sparkassen gab es nicht, also versteckte oder vergrub man die Münzen, um sie vor Dieben in Sicherheit zu bringen. Manchmal waren die Verstecke so sicher, dass auch ihr Eigentümer die Münzen nicht mehr wiederfand, oder er starb, ohne dass seine Erben das Versteck kannten. Die meisten heute noch erhaltenen mittelalterlichen Münzen stammen aus solchen vergessenen Münzschätzen. Aus den Fundorten und der Zusammensetzung der Schätze kann man erkennen, wo welches Geld im Umlauf war, und wie lange eine Münze zirkulierte.
Silber als Handelswährung
Die meisten Münzen aus der Zeit des 10. bis 12. Jahrhunderts, hat man in Skandinavien und in Osteuropa gefunden. Zu einem Teil handelt es sich wohl um Beutegut, das die Wikinger bei ihren Überfällen auf die Hafenstädte Europas raubten. Doch die skandinavischen Länder waren zusammen mit Böhmen, Ungarn, Polen und Russland zugleich die wichtigsten Handelspartner des Frankenreichs. Die Skandinavier lieferten unter anderem Pelze, Honig und Sklaven; als Gegenleistung wurde Silber exportiert, denn andere Rohstoffe oder Waren hatte das Reich noch nicht in ausreichender Menge zu bieten. Das Silber wurde nur zum Teil zu Münzen verarbeitet, ein anderer Teil wurde schlicht in Barren gegossen. Die Barren waren besonders für den Transport grosser Summen geeignet.
Für den Handelsaustausch zwischen den Regionen reisten die Kaufleute entlang den wenigen Strassen, die zu dieser Zeit Europa durchzogen. Wo es irgend ging, benutzten sie Flüsse, denn die damaligen Strassen waren eigentlich nur unbefestigte Schneisen durch den Wald, auf denen viele Gefahren lauerten: Es konnte der Wagen im Morast steckenbleiben oder eine Achse brechen, zudem stellten Räuber, Raubritter und Soldaten stets eine Bedrohung für reisende Kaufleute dar. Die Händler besuchten die Märkte der Städte, doch hauptsächlich fanden sie ihre Kunden in den Burgen der Grafen, in den Klöstern und an den Bischofssitzen. Dabei wurden auch Luxuswaren nicht nur aus Verschwendungssucht gekauft. Die Kirche war beispielsweise auf den Import von kostbarem Bienenwachs angewiesen, dass aus Nord- und Osteuropa geliefert wurde, denn die Liturgie schrieb vor, dass während der Messe Kerzen auf dem Altar brennen mussten. Das teure Wachs konnten sich sonst höchstens noch einige weltliche Fürsten leisten, für die meisten Menschen blieb es unerschwinglich. Das Mittelalter war die längste Zeit im eigentlichen Sinn des Wortes ein dunkles Zeitalter.
Vom überregionalen zum regionalen Pfennig
Die Kaufleute hatten bis etwa ins 12. Jahrhundert - bei allen Gefahren, die unterwegs lauerten - ein Problem noch nicht, das ihre Kollegen späterer Jahrhunderte plagen sollte: Es existierten noch keine Währungsgrenzen. Münzen aus etwa 150 Münzstätten allein des deutschen Raumes sind in den Münzschätzen aus dem 10. bis 12. Jahrhundert enthalten, sie wurden demnach unabhängig von ihrem Prägeort akzeptiert. Da die Münzen einander im Gewicht, und damit im Wert, sowie im Münzbild einigermassen ähnelten, spricht man von dieser Zeit als der Periode des überregionalen Pfennigs.
War die Münze bis zum 12. Jahrhundert also hauptsächlich im Fernhandel wichtig, gewann sie in der darauffolgenden Zeit auch im Inland an Bedeutung. Der Münzstrom nach Nord- und Osteuropa versiegte, dafür nahm der Geldumlauf innerhalb des Reiches zu. Die grosse Zeit der Städtegründungen brach an: Von 1100 bis 1300 wurden in Deutschland mehr als 2000 Städte gegründet. Damit veränderte sich die Wirtschaftsstruktur, denn anders als auf dem Dorf herrschte in der Stadt nicht das Selbstversorgungsprinzip. Dort dominierten vielmehr das Handwerk und der Handel mit dem Markt als Zentrum. Der zunehmende Warenaustausch war nicht mehr denkbar ohne Geld als anerkanntes Zahlungs- und Rechenmittel.
Mit einer einzigen Münze konnte man da natürlich nicht mehr auskommen. Der Pfennig war zwar nicht mehr ganz so wertvoll wie zu karolingischer Zeit, doch man bekam dafür im 13. Jahrhundert in Landshut noch einen Liter Wein oder, was für Braunschweig im Jahr 1315 bezeugt ist, ein Weizenbrot von einem halben bis einem ganzen Pfund. Um also "Kleingeld" für den täglichen Gebrauch zu haben, wurden zusätzlich Halb- und Viertelpfennige geprägt.
Das Geldgefüge änderte sich, und auch die Zahl der Münzstätten nahm in dieser Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs erheblich zu. Noch eine Entwicklung setzte ein, die für den Handel erhebliche Auswirkungen hatte: Die früher in bezug auf Gewicht und Bild recht einheitliche Pfennigmünze wurde von regional unterschiedlichen Pfennigen abgelöst. Sie wurden nach ihrem Prägeort bezeichnet, um sie gegeneinander abzugrenzen. Das 12. und das 13. Jahrhundert nennt man deshalb auch die Periode des regionalen Pfennigs.
Neue Münzherren und ein neuer Geldberuf
Die Münzhoheit lag zu dieser Zeit nicht mehr beim Kaiser, sondern war allmählich auf die Territorialherren übergegangen. Für die Fürsten stellte das Münzrecht eine Einnahmequelle dar, denn in ihre Kasse floss eine Gebühr für jede Münze, die in Umlauf gelangte. Durch regelmässige Münzverrufungen begann diese Einnahmequelle reichlich zu sprudeln. Dabei wurden die bisherigen Münzen für ungültig erklärt und mussten gegen neue, in der Regel geringerwertige Münzen eingetauscht werden. Die Differenz zum bisherigen Münzwert floss als eine Art Kapitalsteuer in die Kasse des Münzherrn. Meist wurden aus der gleichen Menge Silber mehr Münzen mit gleichem Nennwert geschlagen, sodass die Pfennige im Lauf der Zeit immer leichter wurden. Seit dem 12. Jahrhundert gab es neben dieser bereits seit langer Zeit praktizierten Form der Münzverschlechterung ein neues Verfahren: Die Technik machte es inzwischen möglich, das Silber zu legieren, ihm also unedlere Metalle beizumischen.
Kaufleute, die den Markt einer Stadt besuchten, mussten ihre Münzen meist beim Geldwechsler in die am Ort gültige Münze eintauschen, gegen eine saftige Gebühr natürlich. Auf ihrem Weg von Stadt zu Stadt konnte das ständige Tauschen recht teuer werden. Um nicht immer wieder das Geld aus der zuletzt besuchten Stadt in die neue Währung eintauschen zu müssen, führten die Händler grössere Beträge häufig in Form von ungemünztem Silber, als Barren, mit sich. Sie tauschten dann nur den Betrag, den sie in der jeweiligen Stadt brauchten, in die örtliche Währung.
Auf dem Tisch des Geldwechslers sammelten sich also viele verschiedene Münzsorten. Bei neuen, ihm unbekannten Geldstücken musste der Wechsler ihren Wert bestimmen. Zunächst wurden sie gewogen. Die Feinwaage, das hierfür gebräuchliche Arbeitsinstrument, war so typisch für Geldwechsler, dass sie auf zeitgenössischen Darstellungen meist mit einer Waage in der Hand abgebildet wurden. Meist ist der Geldwechsler als krummnasiger Mann dargestellt, als Personifizierung des Geizes und der Raffgier. Nicht nur wegen der hohen Gebühren für das Tauschen von Münzen, sondern vor allem, weil er neben den reinen Wechselgeschäften auch Geld verlieh und dafür Zinsen verlangte. Solche Geschäfte verurteilte die Kirche zwar als "Wucher" und verbot sie den Christen, verhindern konnte sie sie aber nicht. Die Marktlücke wurde von Juden geschlossen, die damit aber oftmals den Neid und den Hass der Christen auf sich zogen.
Gutes und schlechtes Geld
Durch den ständigen Umgang mit vielen verschiedenen Münzen besass der Geldwechsler auch einige Übung im Erkennen von gefälschten Münzen. Hierfür benötigte er ein sehr feines Gehör. Er brachte die Münze auf einer harten Unterlage zum Klingen und erkannte daran, ob dem Silber unedleres Metall beigemischt war. Bestand die Münze zu einem Grossteil aus Blei oder Zinn, klang sie dumpf. Nur eine Münze mit sehr hohem Silbergehalt hatte einen hellen, reinen Klang und verdiente die Bezeichnung "klingende Münze". Fälschungen fürchteten natürlich nicht nur Geldwechsler. Wer nicht so feine Ohren hatte, musste zu rabiateren Methoden greifen, wenn er an der Echtheit des Geldes zweifelte. Einige bissen kräftig in die Münze, um festzustellen, ob sie nicht doch hauptsächlich aus Blei oder Zinn bestand, weicheren Metallen als Silber. Andere probierten, ob sich die Münze verbiegen liess, was ebenfalls auf eine Fälschung hindeutete, kratzten an der Münze oder ritzten sie ein: Vielleicht befand sich ja nur Eisen unter einer dünnen Silberschicht. Wer der Geldfälscherei überführt wurde, musste im Mittelalter mit drakonischen Strafen rechnen. Unter König Heinrich I. von England (1100-1135) wurde 94 Arbeitern der königlichen Münzanstalt die rechte Hand abgeschlagen. Zusätzlich wurde jeder von ihnen entmannt. Sie waren für schuldig befunden worden, bei der Prägung der Münzen das Silber zum Teil durch billigeres Zinn ersetzt zu haben.
Gutes und schlechtes Geld, echte und falsche Münzen aus verschiedenen Münzstätten, Fernhändler, Krämer und Geldwechsler gab es eigentlich in jeder Stadt. Ein besonderer Treffpunkt waren darüber hinaus die zu festen Terminen stattfindenden Messen in der Champagne. Nicht nur der Handel in den Städten nahm zu, auch der Fernhandel erlebte seit dem 12. Jahrhundert einen enormen Aufschwung. Die Champagne-Messen bildeten im internationalen Handel dieser Zeit eine Art Scharnier. Hier wurden Wolle aus England gehandelt und flämisches Tuch, Leder aus Südeuropa und Pelze aus Osteuropa. Die italienischen Fernhändler boten Gewürze wie Safran, Muskat, Pfeffer, Ingwer, Zimt und Anis an.
Neue Münzen und eine neue Zahlungsart
Während für den täglichen Kleinhandel zunächst geringerwertige Münzen gefehlt hatten, machte sich im Fernhandel der Mangel an höherwertigen Münzen bemerkbar. Neue Münzsorten wurden zunächst in Norditalien entwickelt, der am weitesten entwickelten Region Europas. Bereits seit 1194 prägte Venedig den etwas mehr als zwei Gramm schweren "Grosso", den Urahn des Groschens. Neben dieser grösseren Silbermünze brachte das 13. Jahrhundert eine weitere Neuerung im Münzwesen: Zum erstenmal seit fast 500 Jahren, seit dem Verbot durch Karl den Grossen, gab es wieder Goldmünzen im christlichen Abendland. 1252 begann die Stadt Florenz, den "florenus aureus" aus 3,5 Gramm Feingold zu prägen. Da Gold etwa zehnmal wertvoller war als Silber, waren grosse Summen mit der neuen Münze viel bequemer zu handhaben. Als der "florenus aureus" einige Jahrzehnte später auch nördlich der Alpen gebräuchlich wurde, erhielt er die Bezeichnung Gulden, Güldiner oder güldner Pfennig. Die Abkürzung hierfür lautete aber "fl" nach seinem Herkunftsort Florenz, dieses Kürzel hat sich bis heute für den holländischen Gulden erhalten.
Nun sank der Pfennig, der am Beginn der mittelalterlichen Geldgeschichte die einzige Münze war, zur Kleinmünze herab, nachdem er im Lauf der Jahrhunderte immer stärker an Wert verloren und zudem seine Einheitlichkeit eingebüsst hatte. Die grossen Transaktionen wurden seit dem Spätmittelalter mit den Groschen als höherwertigen Silbermünzen und mit den nochmals teureren Goldmünzen vollzogen. Die Gulden wurden an vielen Orten akzeptiert, was die Münzzersplitterung zwar nicht beseitigte, aber doch milderte.
Diese Neuerungen hatten den Handel bereits erleichtert, ein erhebliches Risiko hatten sie aber noch nicht beseitigt: Immer wieder kam es vor, dass das Edelmetall auf den noch immer unsicheren Transportwegen gestohlen wurde oder verlorenging. Um diese Gefahr zu verringern, entstanden erste Formen von bargeldlosem Zahlungsverkehr. Ein italienischer Kaufmann, der auf der Messe in der Champagne beispielsweise Tuche kaufen wollte, ohne selbst Waren zu verkaufen, führte das hierfür nötige Silber nicht mit sich, sondern lieh es von einem Landsmann. Dieser hatte möglicherweise mehr Einnahmen aus dem Verkauf seiner Waren erzielt, als er ausgab, und war froh, das Geld nicht über die Alpen transportieren zu müssen. Die beiden schlossen dann einen Vertrag, in dem der Schuldner dem Verleiher garantierte, die Summe zu einem festgelegten Zeitpunkt daheim in Italien zurückzuzahlen. Der Wechsel war geboren.
Kaufkraft des Geldes.
Der Geldwert ist zwar nur bruchstückhaft belegt, jedoch lässt sich über die ganze Dauer des Mittelalters ein Kaufkraftverlust feststellen. Unsicherheiten bei der Beurteilung der Kaufkraft entstehen aus schwankenden Silberpreisen sowie zeitlich und regional sich ändernden Wirtschaftsverhältnissen, Preistaxen und Münzwerten. Lebensmittel- und Viehpreise können aus grundherrschaftlichen Abgabenlisten und aus städt. Ratsverordnungen entnommen werden.
Einige Beispiele:
| 8.Jh. | ein Kettenhemd | 490 | Silberdenar | (820 g Silber) |
| ein Schwert | 280 | Silberdenar | (478 g Silber) | |
| ein Pferd | 180-280 | Silberdenar | (300-478 g Silber) | |
| ein Sklave | etwa gleich viel | |||
| eine Kuh | 60-80 | Silberdenar | (100-137 g Silber) | |
| ein Schwein | 18 | Silberdenar | (30 g Silber) | |
| 1 kg Getreide | 1,8 | Silberdenar | (3 g Silber) | |
| 10 Hühner | 0,6 | Silberdenar | (1 g Silber) | |
| 797 | 1 Malter Gerste (ca. 115 kg) | 2 | Silberdenar | |
| 1 Malter Roggen | 3 | Silberdenar | ||
| 1 Malter Weizen | 4 | Silberdenar | ||
| 806 | 1 Malter Gerste | 3 | Silberdenar | |
| 1 Malter Roggen | 4 | Silberdenar | ||
| 1 Malter Weizen | 6 | Silberdenar | ||
| 845 | 1 Pfd. Eisen | 4 | Pfennig (St. Gallen) | |
| ~ 1200 | ein Reitpferd | 3 | Mark | |
| 1220 | ein Schwein | 5 | Schilling (60 Pfennig) | |
| ein Pferd | 76 | Schilling | ||
| ein Ochse | 33 | Schilling | ||
| eine Kuh | 13 | Schilling | ||
| ein Schaf | 4 | Schilling | ||
| ~ 1250 | 1 Elle Leinwand | 15 | Groschen | |
| ein Paar Schuhe | 2 | Groschen | ||
| ein Laib Weizenbrot (500 g, Mainfranken) | 1 | Pfennig | ||
| ein Laib Roggenbrot (500 g, Mainfranken) | 1/4 | Pfennig | ||
| ein Schaf (in Landshut) | 40 | Pfennig | ||
| 1256 | 2,5 Pfd. Rindfleisch | 1 | Pfennig | |
| 2 Mittelgroße Würste aus Schweinefleisch | 1 | Pfennig | ||
| ein Eimer Frankenwein | 55-75 | Pfennig | ||
| ein Eimer Bier | 18 | Pfennig | ||
| 1279 | 4 Malter Korn (in Nördlingen) | 24 | Schilling | |
| 1283 | ein Schwein | 1 | Pfund Haller Pfennig (240 Pf.) | |
| 1290 | 1 Simra Weizen (80 Pfund; am Obermain) | 30 | Pfennig | |
| 1 Simra Roggen | 20 | Pfennig | ||
| 1 Simra Hafer | 10 | Pfennig | ||
| 1305 | ein Pferd | 1200-3840 | Pfennig (100-320 Schilling) | |
| 2 Ellen Hosentuch | 60 | Haller | ||
| 12 Ellen gestreiftes Tuch aus Ypern | 6 | Pfund Haller | ||
| 14. Jh. | ein Sklave | 80-140 | venezianl Golddukaten (entspr. etwa dem dt. Gulden) | |
| 1311 | ein Fastnachtshuhn | 2 | Pfennig | |
| ein Herbsthuhn | 1 | Pfennig | ||
| eine Gans | 6 | Pfennig | ||
| 1315 | 60 Eier | 3 | Pfennig | |
| ~1315 | ein Weizenbrot (ca. 250-500 g; in Braunschweig) | 1 | Pfennig | |
| ein Roggenbrot (ca. 550 g; ebd.) | 1 | Pfennig | ||
| 1352 | eine Tonne (200ltr) Trinkwasser (in Hannover) | 8 | Pfennig | |
| 1356 | ein Eimer Bier | 180 | Pfennig (Kloster Heilsbronn) | |
| 1 Sümmer Brot (ca. 300 kg) | 360 | Pfennig (ebd.) | ||
| 1 Sümmer Hafer (als Pferdefutter) | 240 | Pfennig (ebd.) | ||
| 42 Pfund Wachs | 10 | t (ebd.) | ||
| 1369 | 6 Tonnen Hering | 8 | Mark (Hamburg) | |
| 1370 | ein Fastnachtshuhn | 4 | Pfennig | |
| ein Herbsthuhn | 2 | Pfennig | ||
| eine Gans, gemästet | 12 | Pfennig | ||
| eine Gans, ungemästet | 6 | Pfennig | ||
| 60 Eier | 6 | Pfennig | ||
| 10 Pfund Eisen | 5,4 | Pfennig (Regensburg) | ||
| 1420 | 1 Pfd. Zucher | 67,2 | Pfennig | |
| 1 Pfd. Pfeffer | 104 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Zimt | 160 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Muskat | 192 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Safran | 720 | Pfennig (etwa so viel wie ein Pferd) | ||
| 1 Metze Rollgerste (ca. 45l) | 54,4 | Pfennig | ||
| 1 Metze Hafer | 16,2 | Pfennig | ||
| 1434 | eine Maß Frankenwein | 5 | Pfennig | |
| eine Maß Bier | 3-5 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Rindfleisch | 2 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Ochsenfleisch | 5-9 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Schweinefleisch | 14 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Butter | 16 | Pfennig | ||
| 1450 | ein strohgedecktes hölzernes Bauernhaus | 6-8 | Gulden | |
| ein Ackergaul oder drei Kühe | ca. 7 | Gulden | ||
| 1465 | ein Fastnachtshuhn | 10 | Pfennig | |
| ein Herbsthuhn | 5 | Pfennig | ||
| eine Pfisterwecke (aus feinstem Weizenmehl) | 2 | Pfennig | ||
| 1 Pfd. Brot | 1 | Pfennig (beides Heidelberg) | ||
| 1483 | 1 Pfund Safran | kostet mehr als ein Ackerpferd | ||
| 1 Pfd. Zucker | kostet 2,5 mal so viel wie ein Ferkel | |||
| 1499 | ein Ackergaul bzw. drei Kühe | ca. 7 | Gulden | |
| ein strohgedecktes, hölzernes Bauernhaus | ca. 7 | Gulden | ||
| 1500 | 1 Malter Roggen | 235 | Pfennig | |
| 1 Malter Weizen | 240 | Pfennig | ||
| ein junges Huhn | 8 | Pfennig |
Das Monatseinkommen eines Tagelöhners 1480 reichte aus z.B. für:
1 Paar Schuhe, 6 Ellen Leinwand und 1 Arbeitsjacke.
Sein Wochenlohn reichte für:
2,5 Liter Roggen, 2 Pfund Kalbfleisch und 1 große Kanne Milch.
Hier habe ich eine Tabelle gefunden, die zwei verschiedene Zeiten ins Auge fast. Einmal um 900 (mitteldeutscher Raum) und einmal um 1000 (norddeutscher Raum). Angelehnt an die Silberpreise von 2002 und dem teoretischem Einkommen eines damaligen und heutigen Landarbeiters.
| um 900 | um 1000 | Heute | |
| Gr. Silber | Gr. Silber | EURO | |
| 10 Hühner | 1 | 30,00 | |
| 1 Kg. Getreide | 3 | 80,00 | |
| Messer | 3 | 80,00 | |
| Schnalle | 5 | 130,00 | |
| Zaumzeug | 10 | 250,00 | |
| Mantel | 12 | 300,00 | |
| Schaaf | 15 | 400,00 | |
| Sporen | 20 | 500,00 | |
| Schwein | 30 | 800,00 | |
| Lanze | 51 | 1.350,00 | |
| Schild | 86 | 2.500,00 | |
| Steigbügel | 126 | 3.300,00 | |
| Schwert | 126 | 3.300,00 | |
| Schild u.Lanze | 135 | 137 | 3.500,00 |
| Kuh | 100-137 | 2.500,00 u. mehr | |
| Ochse | 125-137 | 3.150,00 u. mehr | |
| Sklavin | 204 | 5.200,00 | |
| Sklave | 306 | 7.800,00 | |
| Helm | 400 | 410 | 11.000,00 |
| Schwert mitScheide | 500 | 300-500 | 7.600,00 u.mehr |
| Schwertscheide | 354 | 8.800,00 | |
| Kettenhemd | 820 | 21.000,00 | |
| Gamaschen etc. | 400 | 410 | 12.000 |
| Brünne | 800 | 24.000 | |
| Pferd | 800 | 24.000 | |
| Schlachtross | 5000 - 8000 | ab 70.000 u. mehr |
Um einmal eine Vorstellung zu bekommen, listen wir einmal auf, was ein Ritter, welcher auf den 3. Kreuzzug ging und gut ausgestattet war, an Vermögen mit sich führte:
(Kaufkraft in Euro anno 2002)
| Schwert mit Scheide | 7.600,00 |
| Schild mit Lanze | 3.500,00 |
| Gamaschen ect. | 12.000,00 |
| Helm | 11.000,00 |
| Kettenhemd | 21.000,00 |
| Brünne | 24.000,00 |
| 3 Pferde | 72.000,00 |
| ein Schlachtross | 70,000.00 |
| Summe rund | 320.000,00 |
| Hinzu der Nachweis eines Vermögens von 3 Mark, (1500 Gramm Silber) |
45.000,00 |
| hinzu der Lebesnunterhalt für 2 Jahre,- ? - | -?- |
| SUMME rund | 365.000,00 |
Wir können also von zwei Dingen ausgehen:
1. Bei weitem nicht jeder Ritter war so ausgestattet!
2. Vielen Rittern blieb es auf Grund Ihrer Vermögenssituation
versagt an diesem Kreuzzug teilzunehmen.
Es war vermutlich auch eine soziale Maßnahme von Friedrich, denn für viele Ritter der ersten beiden Kreuzzüge bedeutete die Teilnahme den wirtschaftlichen Ruin. Es ist überliefert, das Männer die Schwertleite ablehnten, da sie es sich nicht leisten konnten, in den Ritterstand erhoben zu werden.
Eine gute Übersicht über die in Deutschland geprägten Münzen des Mittelalters ist >hier< zu finden. Einen hervorragenden Währungsumrechner (auch in Euro) findet ihr >hier<. |
Heller
(eigentlich Haller) ist eine frühere deutsche Kupfermünze vom Wert eines halben Pfennigs, benannt nach der Stadt Hall in Schwaben (heute: Schwäbisch Hall),wo etwa ab 1228 silberne Pfennige (Häller Pfennige) geprägt wurden. Die Heller wurden allmählich so verschlechtert, dass sie aufhörten, Silbermünze zu sein. Man unterschied weiße, rote und schwarze Heller; auf den Reichsthaler rechnete man 576 Heller. In Kurhessen wurde der Silbergroschen in 12 Heller eingeteilt, so dass der Heller dem preußischen Pfennig gleich war. Dreiheller waren kupferne 1 1/2-Pfennigstücke, die im Sachsen-Gothaischen geprägt wurden.
Ein Heller entsprach in etwa 1/2 Pfenning und hatte um 900 eine Kaufkraft von 5 Hühnern oder etwa 160 g. Getreide, heute ca. 15 Euro.
2 Heller etwa 1 Pfennig
Pfennig
(Abkürzung Pf) ist ein Münzwert. Die Herkunft könnte von dem lateinischen Begriff "pondus" = Gewicht kommen. Bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts besaß der Pfennig hohe Kaufkraft, für einen Penning bekam man um 1000 ca. 20 Hühner! Im 12. Jh war das durchschnittliche Gewicht eines Pfennigs etwa 1,1 - 1,6 Gramm.
1 Pfenning hatte um 900 eine Kaufkraft von 10 Hühnern oder etwa 1/3 Kg. Getreide heute ca. 30 Euro.
240 Pfennig waren eine Mark
360 Pfennig waren ein Taler
Kreuzer
hatte seinen Namen vom Doppelkreuz auf der Vorderseite.
Ein Kreutzer entsprach in etwa 4 Pfenning und hatte um 900 eine Kaufkraft von 40 Hühnern oder etwa 1,2 Kg. Getreide, heute ca. 120 Euro.
60 Kreuzer entprachen 1 Gulden / 1 Mark / 1 Pfund
Schilling
ist eine Währung (nach nicht bestätigten Quellen für den Ursprung), die ursprünglich wohl nach dem Prägemeister Bernhard Schilling von Lignitz (um 1590) benannt wurde, oder aber eine der ältesten, germanischen Münzbezeichnugnen ist oder auch Hinweise auf Friedrich von Kniprode (um / später 1350).
Möglicherweise auch Verwechslungen oder Zusammenhänge mit einem möglichem Fälscher in Preussen um 1340 namens Bernhard Schilling von der Lignitz.
Ein Schilling, auch Solidus oder Groschen entsprach in etwa 12 Pfennig und hatte um 900 eine Kaufkraft von 120 Hühnern oder etwa 4 Kg. Getreide, heute ca. 360 Euro.
1 Schilling in etwa 3 Kreuzer
20 Schilling entsprachen 1 Gulden / 1 Mark / 1 Pfund
Groschen
wurden am Anfang des 13. Jahrhunderts in Norditalien geprägt. Er war dort eine massive Münze aus reinem Silber, der grösser als der entwertete Denar war. Die Münze fand bald regen Anklang bei anderen Münzstätten, Der Begriff Groschen kommt von der lateinischen Bezeichnung einer Münzstätte, die die Münzen nachahmten : grossus denarius turnosus (Dicker Denar aus Tour).
1 Schilling entsprach einem Groschen
Batzen
die Münze wurde ab dem 15. Jahrhundert bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Bern geprägt wurde.
1 Batzen entsprach 16 Pfennige und hatte um 900 eine Kaufkraft von 160 Hühnern oder etwa 5,3 Kg. Getreide oder 1 gutes Schaaf, heute ca. 480 Euro. 1 Batzen sind etwa 4 Kreuzer. 15 Batzen entsprachen 1 Gulden / 1 Mark / 1 Pfund
Pfund
Das Pfund ist ein altes Gewichtsmaß, der Name leitet sich vom lateinischen pondus (Gewicht) ab. Zum ersten Mal taucht es im karolingischen Reich auf. Es geht wohl auf die altrömische Libra zurück, von der auch das Kurzzeichen Lb oder lb übernommen wurde. Unter Karl dem Großen wurde das Gewicht erhöht, (Karls-Pfund), der genaue Wert ist jedoch nicht erhalten geblieben.
1 Pfund entsprach etwa 240 Pfennigen und hatte um 900 eine Kaufkraft von 2400 Hühnern oder etwa 80 Kg. Getreide oder 3 Messer oder 1 Zaumzeug, heute ca. 7200 Euro
Das "Karlspfund"
Karl der Große legte in seiner Münzordnung fest, dass aus einem Pfund Silber (Karls-Pfund) 240 Pfennige (Denare / Denarii) geprägt werden müssen.
1 Pfund - 1 Mark
- zu 20 Schillinge - Solidii
- zu je 12 Pfennig - Denarii
Das Münzpfund enstand. Gehen wir von "ungefähr" 430 Gramm Silber aus, (Unterschiedliche Quellen weisen das Karlspfund mit 408 g. und 430 g. aus.) so kommt der Pfennig auf etwa 1,8 Gramm Silber. Das Genaue Maß des Karlspfundes ist leider nicht erhalten geblieben.
Ungefähr im 1100 Jahrhundert hatte der Pfennig ca. 1,2 Gramm Silber, und das Pfund fast 500 Gramm.
Das grain (Korn) war die früheste und kleinste Gewichtseinheit und war ursprünglich ein Weizen- oder Gerstenkorn, um Edelmetalle wie Gold und Silber abzuwiegen.
Mark
Die Mark entsprach in etwa einem Pfund,
verfiel aber bereits auch zu dieser Zeit, da eine "Verunreinigung" des Silbers zum Zwecke des "Streckens" vorgenommen wurden.
Um 1180 unter Friedrich I. war die Mark bereits etwa ein halbes Pfund Silber, die Kölner Mark allerdings um 1042 schon ein halbes Pfund. Eine Mark entsprach zu Zeiten Karl I aber etwa 430 Gramm Silber.
(Genaue Zahlen sind leider nicht überliefert oder widersprechen sich)
Von Friedrich Barbarosse ist über den 3. Kreuzzug bekannt, dass er folgende Ansprüche an einen Teilnehmer stellte:
- er musste drei Mark Vermögen nachweisen
- er musste seinen Unterhalt für zwei Jahre haben
- ein Reiter musste ein Pferd besitzen!
Das machte ein Barvermögen in Kaufkraft von ungefähr 27.000 - 30.000 Euro aus, zuzüglich des Lebensunterhalts für zwei Jahre! So wie die Bewaffnung und Rüstung!
Gulden (Auch Florentiner fl.)
Auch im deutschen Sprachraum kannte man bis zur ersten Währungsunion in Deutschland, der Einführung der Goldmark im Jahre 1873, Gulden (auch "Gülden" oder "Guldiner"). "Florentiner" leitete sich von Florenz ab, wo er erstmals im Jahre 1252 geprägt wurde. Gulden waren anfänglich aus Gold (daher der Name), später kamen Silbergulden hinzu, die Bezeichnung "Goldgulden" oder "Goldgülden" unterschieden Silber - und Goldgulden. Die erste deutsche Goldmünze wurde gute 100 Jahre später (um 1350) in Lübeck geprägt
Taler
war wohl erstmals um 1500 in Böhmen bekannt, europäische Großsilbermünze, die ursprünglich zunächst Guldengroschen hieß. Später verstand man unter Taler zahlreiche Großsilbermünzen, die mindestens 1 Lot wogen. Größere Bedeutung erlangte der Taler mit den Reichsentscheiden des 16. Jahrhunderts, die ihn als Reichstaler neben dem Gulden zur offiziellen Reichswährung erhoben.
Denar (Pfennig) - Denar
- oder Denarii, entspricht einem Pfennig
Dukat / Florentiener Gulden
Der Dukat ist eine Goldmünze, die in ganz Europa verbreitet war. Er besitzt einen Feingehalt von 986/1000 und wiegt 3,49 g (Feingewicht 3,44 g).
Erstmals wurden Dukaten 1284 in Venedig geprägt und haben sich von dort aus über den ganzen Kontinent verbreitet. Der Name kommt von der Umschrift auf der Rückseite der ersten Dukaten: Sit tibi Christe datus quem tu regis iste ducatus – Dir, Christus, sei dieses Herzogtum, welches du regierst, gegeben. In Venedig wurden Dukaten bis zum Ende der Republik im Jahre 1797 mit gleichem Münzbild und nahezu unverändertem Feingewicht (Goldgehalt) geprägt. Damit waren die venezianischen Dukaten über Jahrhunderte die stabilste Währung der Welt. Insbesondere für das 14. und 15. Jahrhundert dürfte der Dukat als die Welthandelsmünze angesehen werden, die auch als Maßstab für Gewichtsvergleiche herangezogen wurde.
Albus / Weißpfennig
Albus war eine seit dem Spätmittelalter in den Teilen des deutschen Reiches, vor allem im Rheinland, verbreitete Währung. Der Name albus stammt aus dem Latein und bedeutet weiß. Wegen des höheren Silbergehalts differenzierte sich diese hellere Münze farblich von den anderen minderwertigen Münzen. Daraus resultierte der Name denarus albus (weißer Pfennig).
Der Albus wurde etwa in der Mitte des 14. Jahrhunderts vom Trierer Erzbischof Kuno II. von Falkenstein eingeführt und ist erstmals im Münzvertrag zwischen Köln und Trier 1372 urkundlich nachweisbar. Im Laufe der Zeit wurde Albus zur Währung im Münzverein der Kurfürsten von Trier, Mainz und Köln und wurde von zahlreichen angrenzenden Territorien übernommen.
1 Reichstaler = 78 Albus; 1 Albus = 12 Heller.
Turnose (Groschen)
Auch Turnosegroschen oder Turnos, ist eine Bezeichnung für den franz. Gros tournois und seine Nachahmungen und Beischläge von deutschen und niederländischen Münzständen. Seit dem ausgehenden 13. Jh. wurden Nachahmungen der französischen Groschenmünze geprägt, die sich zunächst noch weitgehend an das Münzbild des Vorbilds (Chatel tournois im beschrifteten Doppelrand) hielten. Die franz. Groschenmünzen und ihre Nachahmungen liefen zunächst im niederländischen, westdeutschen und südwestdeutschen Raum um. Im 14. Jhd. erschien eine Vielzahl von silbernen Groschen mit Darstellungen von Wappen, Heiligen und Münzherren, die sich weit vom ursprünglichen Münzbild entfernt hatten, aber noch alle Turnosen genannt wurden. Sie galten 24 Pfennige oder 2 Schillinge und wogen etwa 3,9 bis 4 g (um 920/1000 fein). Der Turnosegroschen spielte für den Münzumlauf des west- und südwestdeutschen Raums in der 1. Hälfte des 14. Jhds eine große Rolle und wurde erst in der 2. Hälfte des Jhds durch den Albus verdrängt. Die in großen Mengen geprägten Prager Groschen aus Böhmen und die Meißner Groschen gingen auch aus franz. Gros tournois hervor und wurden ursprünglich auch als Turnosegroschen bezeichnet.
In Kurmainz gab es den Turnosen auch als abstrakte Rechnungseinheit. Gerne gaben die Erzbischöfe mehr Zollbeträge an Dritte aus, als dort überhaupt eingingen. Deshalb verfiel man auf den Trick, Gläubigern nicht feste Geldbeträge anzuweisen, sondern ihnen nur einen prozentualen Anteil (einen Turnosen) an den eingehenden Geldern zu versprechen. Gingen am Zoll z.B. am Tag 100 Mark ein, so erhielt der Gläubiger hiervon vielleicht 10 %, also 10 Mark. Dieses Geld durfte er als Abschlagszahlung entnehmen. Den Turnosen durfte er so lange kassieren, bis ihm die Schuld vollständig ausbezahlt war. Je geringer also die Zolleinnahmen ausfielen, um so länger musste der Gläubiger auf sein Geld warten.
Schock
"Das Schock ist eine Rechnungsmünze und betrug 60 alte silberne Groschen oder Wilhelminer, welche unter Kurfürst Friedrich II. von Sachsen und Herzog Wilhelm in Meißen um 1408 bis 1482 zu 160 Stück auf die Mark geprägt wurden...".